Fuer meine geliebte Prinzessin


Als du gingst,
schwiegen die Voegel einen Augenblick,
drehten die Uhren ihre Zeit zurueck.

Als du gingst,
verstummte das Rascheln im Wald,
erschienen junge Menschen so alt.

Als du gingst,
hatte sich das Meer hinter den Felsen versteckt,
die Sonne brannte heisser denn je,
wurde von keiner Wolke verdeckt.

Als du gingst,
hoerte man nur den Schwan, der sang,
hielt die Welt ihren Atem an.

Als du gingst,
hinterliesst du eine unbeschreiblich tiefe Trauer,
du nahmst das Lachen mit,
welches unseren Tag erhellt hatte
und hinterliesst eine Finsternis in unseren Herzen,
die unbeschreiblich einsam war....

Als du gingst,
verloren wir ein wunderbares Maedchen,
das so unbeschreiblich herzlich und lustig
und hilfsbereit und liebenswert war.

Als du gingst,
liesst du uns mit so vielen Worten zurueck,
die wir nie gesprochen hatten,
weil wir dachten -

ES WAERE NOCH SO VIEL ZEIT.

 

 

... und immer wieder!

So gehe ich wiedermal in Anitas verwaistes Zimmer.
Ihre Dinge liegen so, als ob meine Prinzessin schon im naechsten Augenblick herein gelaufen kommt.
Ich nehm ihre Haarbuerste in die Hand, an der noch immer ihre blonden Haare sind und streiche behutsam darueber und spuere dabei, wie das Loch in meinem Koerper immer groesser wird.
Schwaerze erfuellt mich, dringt von hinten durch meinen Kopf bis zu den Augen.
Oft stelle ich mir mein Maedchen als junge Frau vor, als wunderschoene Braut.
Ihr liebes Gesicht, ihr beschwingter Gang, die Art, wie ihr glockenhelles Lachen ihr Gesicht strahlen laesst.
Da ist diese Stille, die alles unwirklich macht.
Ich sehe aus ihrem Fenster ...
Der kalte Wind, der durch die unbelaubten Baeume streicht.
Die dunklen Wolken, die Regen verheissen.

Und die Taubheit in meinem Herzen, 

in dem es nun fuer immer Winter ist.


In tiefer Liebe und unendlicher Sehnsucht
Mama

 

 

  

       

aufgenommen in der Nacht des 16. Januar 2005

Kostbarster Besitz ihrer Mama

 

 

Meine geliebte Anita,

... das Leben geht weiter, sie haben alle Recht gehabt,

das Leben geht tatsaechlich weiter, so einfach ohne Dich und mich.

Die Welt hat sich veraendert mit deinem fruehen Tod,

mein Herz ist gebrochen, meine Seele wurde geraubt

und die meisten Gefuehle sind gestorben, das Leben ist total zerbrochen.

Ich fuehle mich vollkommen leer und ausgebrannt.

Alles ist ganz still und leise geworden.

So still und leise, wie es auch um dich geworden ist.

Die wenigen Menschen die uebrig geblieben sind,

mit denen ich mich gern an dich erinnere und die viel von dir erzaehlen,

sie sind es wert, dass ich mit ihnen gemeinsam um dich trauere.

Da ich anfangs dachte, das ich deinen Tod nicht ueberleben werde,

weil es mir unmoeglich erschien, diese Qual, die Verzweiflung,

das Entsetzen und diesen Schmerz und immer wieder

die egoistische Hoffnung, dass ich daran sterben muss und moechte,

das mein Herz einfach stehen bleibt oder das mich wenigstens

mein Verstand verlaesst, diese Hoffnung musste ich aufgeben,

es waere zu einfach gewesen.

Seit dem Unglueck habe ich ein neues und intensiveres Bewusstsein

entwickelt, was das Leben nicht unbedingt leichter macht,

aber mir hilft, besser zu verstehen.

Aber trotz allem, mein Lebensweg ist mir abhanden gekommen.

Das Leben hat sich veraendert, von Grund auf geaendert.

Dinge, die frueher wichtig waren, sind heute bedeutungslos.

Wiederum haben Dinge, die frueher nicht so wichtig waren,

eine grosse Bedeutung erhalten, die heute zum Teil

mein Leben bestimmen.

Mit deinem Tod hat eine neue Zeitrechnung begonnen.

Es faellt mir schwer zu akzeptieren, dass du nicht wiederkommen wirst.

Dieses ,,WARUM" steht immer noch unbeantwortet im Raum.

Und dort wird es wohl immer stehen, solange ich lebe.

Alles ist immer so nah, als waere es gestern gewesen.

Heute habe ich auch zuweilen Angst vor der Welt,

bin unsicher, fuehle mich unverstanden, nicht angenommen

und teilweise sogar gemieden von einigen Menschen,

von denen ich geglaubt habe, das sie mir zugetan seien.

Ich lebe mehr fuer den Moment und wenn der Schmerz kommt

und ich wieder ganz bei Null anfangen muss,

dann bleibt diese unendliche Sehnsucht nach dir.

Ich habe das Gefuehl, nur halb auf der Erde zu sein

und die Gewissheit, dass mich die Unbeschwertheit

fuer immer verlassen hat.

Es gibt auch Situationen, bei denen ich denke,

ja, jetzt ist es leichter, jetzt ist es gut, .....

und dann kommt wieder die Wehmut, dieses dumpfe Gefuehl,

das eine eiserne Hand mein Herz umklammert

und mich kaum atmen laesst.

- Ja - ich will sie behalten, all die Gefuehle, die ich in mir spuere.

Aber auch fuer jeden Moment der Ruhe in mir bin ich dankbar.

Kannst du die Macht erahnen, mit der dein Verlust die Zerstoerung

meines Lebensgefuehls voran getrieben hat.

Schlagartig verdunkelt sich mein Leben,

fast alle guten Gefuehle zogen sich zurueck,

und haben sich jetzt auf einen schmerzenden Punkt reduziert.

Ich hoffe im Laufe der Zeit werden die Tiefs ueberschaubarer,

weil ich dann vielleicht anfange, zu lernen,

mit deinem Verlust zu leben.

Du bist deinen Weg in den Tod nicht freiwillig gegangen

und meine Hoffnung liegt darin,

das es dir in der ,,anderen Welt" gut geht.

Auch wenn ich mich von dir verabschieden muss,

weiss ich, dass du bei mir bist, wohin ich auch gehe

und was immer ich auch tu.

Du wolltest nicht von uns gehen, aber du hattest keine Wahl.

Du warst lustig und lebensfroh,

dein Lachen und deine Spaesse

und deine Gabe andere Menschen so gekonnt nachzuahmen,

haben uns oft verzaubert.

Deinen schier unbezwingbaren Drang,

jetzt und hier und alles aufeinmal erleben zu wollen.

Wie gerne hoerte ich dein ,,hallo Mum" noch einmal.

Selbst wenn wir uns gestritten haben, hast du ,,Mutter" gerufen

(wobei ich innerlich immer schmunzeln musste),

fehlt mir so sehr.

Nach aussen hin wirke ich vielleicht

auf manche Menschen wieder ganz ,,normal".

Sie haben den Eindruck, das ich mit deinem ,, GEHEN " klar komme.

Sie koennen nicht wissen um meine Trauer, dem staendigen Auf und Ab.

Nur ich weiss, das alles dauern wird, bis zu meinem eigenen Tod.

Ich habe mich veraendert, ich werde nie mehr die Gleiche sein.

Durch deinen Tod bin ich in kleine Stuecke zerschmettert worden

und bin seit Monaten dabei, die wichtigsten Scherben aufzusammeln

und wieder zusammen zu setzen.

Dabei entdecke ich Stuecke die ich nicht mehr brauche.

Ich entdecke Teile, die ich bisher noch nicht wahr genommen habe.

Ich bin auch sehr dankbar, ueber liebe Menschen,

die mich begleiten und mich nicht alleine lassen,

die so viel Geduld jeden Tag aufs Neue aufbringen,

dass ich doch auch wieder Liebe spueren kann und darf.

So werde ich als Mensch, der nach dem Zusammensetzen

dieser Scherben entsteht, noch mehr veraendert sein.

Ich brauche all meine Kraft, um meinen Weg

aus diesem Truemmerhaufen heraus zu finden.

Einen Weg, der auch ,,gut" fuer deine Schwester wird.

Ich bin sehr duennhaeutig geworden und damit sehr, sehr verletzbar.

Ich kann nicht noch tiefer fallen,

ich fuehle mich mit dir sehr verbunden.

Du bist in mir und um mich herum.

Die Wolke des Bewusstseins, dass du mich umgibst,

huellt mich ein und gleichzeitig fehlst du mir unendlich.

Es bleibt keine Kraft uebrig fuer Diskussionen, fuer Rechtfertigungen,

fuer vergebliche Versuche, mich den anderen verstaendlich zu machen,

wenn ich es versuche, spuere ich, wie die Kraft,

die ich gerade muehsam gesammelt habe, zerrinnt.

Meine Trauer kann ich nicht abarbeiten, bis sie weg ist,

meine Trauer gehoert zu meinem Leben.

Ich werde versuchen, sie zu umarmen um mit ihr

zu einer neuen Lebensqualitaet zu finden,

ich muss versuchen, sie so zu akzeptieren.

Du warst und bist was ganz besonderes fuer mich.

Wir haetten uns noch so viel zu sagen gehabt,

ueber unsere weitere gemeinsame Zukunft

und ueber Gott und die Welt.

Aber dies bleibt ein unerfuellbarer Wunsch!

Momentan koennen wir uns nicht treffen,

uns nicht in die Augen sehen,

nicht beruehren,

nicht umarmen,

nicht miteinander reden,

uns nicht sagen, dass wir einander lieb haben

oder uns auch streiten

und unsere verschiedenen Ansichten ueber manche Dinge mitteilen.

Aber ich halte fest an dem Glauben, das wir uns wieder sehen.

Du hast diese Welt fuer immer verlassen und ich muss es akzeptieren,

weil es die unabaenderliche Wahrheit ist,

die ich so gerne ungeschehen machen wuerde,

wenn ich es doch nur koennte.

Zu dem Schmerz und der Trauer kommt die bittere Erkenntnis,

dass meine Liebe

.......... Dich nicht auf dieser Welt halten konnte ..........

 

 

In unendlich tiefer Liebe und Trauer

Mama

 

 

 

 

 

 

 

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